Vanduk, mano miela-mylima! Mykolas Žilinskas berichtet
aus Berlin, dass Herr Dr. von Kleist (sehr hohe Persönlichkeit im Minist. d. Äussern)
hat ihm gesagt u. seine Sekretärin hat ihm nachher offiziell bestätigt, dass wir aus
dem Lager schon entlassen seien, – die Durchführung der Bestimmung noch einige
Tage nehmen würde. Offiziell wurde gesagt: die litauischen Geiseln! Herrn Dr. von
Kleist sollte man glauben. Doch der Begriff „einige Tage“ ist sehr dehnbar. Es kann
Monate dauern. Dazu kommt noch die Frage der Quarantäne, – das ist kein Bluff,
– das ist eine ernste Sache. Natürlich, das ist nicht unlösbare Frage, es gibt
verschiedene Auswege. Wird man diese Auswege suchen? – natürlich, es weiss ich
nicht. Sonst, die Quarantäne könnte noch lange dauern. Wieder diese Ungewissheit!
Doch, so wie so, die Ende ist schon sichtbar und offiziell ist schon anerkannt, dass
ich unschuldig eingesperrt sitze. Es wäre gut, wenn könntest Du in dieser Zeit die
Möglichkeiten der Arbeit für mich prüfen. Meine literarische Arbeiten werden uns kein
Brot geben. Bei der Universität wird es wahrscheinlich keine Möglichkeit geben
(Geschichte der russischen Kultur bzw. Literatur, – Seminar für
Theaterwissenschaft, Dramaturgie u. Theatralische Kritik, u. s. w.)? Wenn das wird
nicht möglich sein, dann ist mir egal, welche Arbeit wird. Ich kann arbeiten im Büro,
aber auch in der Fabrik als einfacher Arbeiter. In voriger Woche kam Dein Brief v.
25-XII-44 u. Dein Weihnachtspäckchen, – das machte mir grosse Freude. Doch die
Briefe gehen wieder sehr langsam. Gestern bekam ich ein wertvolles Päckchen von
Živilės Vater (es gab da sogar bayerisches Butter!), – bedanke ihn sehr
herzlich von mir. Jetzt werde ich ihm nicht schreiben, doch nachher, glaube ich,
werde ich wissen wie ihn zu bedanken. Ich habe beendet zweite Redaktion meinen
„Dobilėlis“, – ich bin wieder nicht zufrieden, doch kann es schon gehen. Ich
denke, meine Manuskripten werde ich frei mitnehmen können. Die Lagerführung weiss
bescheid, dass schreibe ich dramatische Werke, – sie stört mir nicht diese
Arbeiten zu ausführen, – im Sinne der Zensur alle meine Werke sind vollständig
unschuldig, – ich kann sie ruhig jeder Zensur der Welt vorlegen. Ich bin
beunruhigt, dass Dein letzter Brief stammt nur v. 25-XII. Sind Sie beide gesund? Oder
passierte mit Ihnen irgendwas Unangenehmes? Ihre Briefe sind mir viel mehr, als
tägliches Brot. Diese innere Wärme ist mir lebenswichtig. Ich habe gelernt mich zu
beherrschen, doch ohne diese innere Wärme, die mir Ihre Briefe bringen, kann ich
nicht auskommen, – es fehlt schon an der Kräfte. Je mehr schweige, je toller
meine Sehnsucht ist. Die lebendige Träume helfen sehr wenig. Hast Du mein Brief mit
Wendug an Daliukas erhalten? Ach, diese junge Arbeiterin, die hat so eine harte
Prüfung des Lebens! Ich hoffe doch, ich werde noch können Ihr für alle Ihre Leiden
noch gutmachen. Dieser Blödsinn der Weltgeschichte wird nicht ewig dauern, –
Vanduk, wir werden noch können für Daliukas das Leben inhaltvoll machen! Für uns
beide brauchen wir schon nicht viel, unseres weiteres Leben wird für Daliukas
gewidmet… Viele Grüsse Dir von Germantas, – mit ihm lebe ich gut, doch
offiziell höflich. Grüsse von mir allen Kollegen, inbesonders denen, die für Ihnen
gut sind, – Biržiškai, Puzinas, Maciūnas, Adomas, Rindzevičius… Sowie, ich
werde schon bald bei Ihnen sein, 1–2 Monate frühe oder später – das
macht schon nicht viel aus: man wird nicht mehr sich diskreditieren. Vanduk, schreibe
mir öfter! Jeder Dein Brief ist mir ein Feiertag! Küsse unseren armen Daliukas! Ich
kann nicht meine Sehnsucht aussagen. Ich küsse Dich, umarme, mano miela-miela
vargšele Vanduk! Lebt wohl!
Vanduk, mano miela mylima! Mykolas Žilinskas1National-Sozialistische Deutsche Arbeiterpartei, NSDAP) Užsienio politikos biuro pareigūnas. Reicho okupuotų
Rytų kraštų ministerijos Ostlando skyriaus viršininkas. Nuo 1941 m. iki 1945 m.
Ostlando vado pavaduotojas. Nacių partijos patarėjas užsienio reikalų
klausimais.Už spygliuotų vielų,
(ser. Lietuvių spaudos draugija, Nr. 2), Chicago: Draugo
spaustuvė, 1950, p. 157–159).Dievų miškas, redagavo Donata
Linčiuvienė, (ser. Lietuvių literatūros lobynas. XX amžius,
Nr. 3), Vilnius: Lietuvos rašytojų sąjungos leidykla, 2005, p. 367).
„Nors
mūsų spygliuotų užtvarų miestas buvo bemaž už trijų šimtų mylių nuo tėviškės, vis
tiek ligi šiol jautėme jos artumą, nes turėjome nuolatinį ryšį per laiškus ir mūsų
kūno gyvybę palaikančius siuntinius. Dabar tie ryšiai nutrūko, ir mes likome
vieni. Likome be tėvynės ir be savųjų. Nežinomo mūsų likimo sielvartai padidėjo,
nes tokio pat nežinomo likimo skraistė pridengė ir mūsų artimuosius“ (Antanas
Gervydas, Už spygliuotų vielų, (ser. Lietuvių spaudos draugija, Nr. 2), Chicago: Draugo spaustuvė, 1950, p.
160–161).Dobilėlis penkialapis, [1944], rankraštis, in: LLTI BR, f. 1, b. 5777, l. 1–157r–v.
– Ar Dievas, ar velnias, vis tiek padės“ (Rapolas Mackonis,
„Pavasario giesmė pragaro dugne“, in: Balys Didysis, sudarė
ir redagavo Reda Pabarčienė, Vilnius: Lietuvių literatūros ir tautosakos
institutas, 1997, p. 296).LLTI BR, f. 53, b. 1303, l. 60).Atminties archeologija, redagavo Donata Linčiuvienė,
Vilnius: Lietuvių literatūros ir tautosakos institutas, 2012, p. 140). Dalia
Sruogaitė darbo ligoninėje neteko vasario pradžioje.Žmonės ir žvėrys Dievų
miške: Kaceto pergyvenimai, Putnam: Immaculata, 1951, p. 304–314).